Geschichten und Trost

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Geschichten   und Trost

Eines Tages betrat eine Gruppe von ca. 10 - 12 Leuten, sichtlich belustigt, den Friedhof und ich hörte, neben meiner Arbeit, dass eine Dame aus der Gruppe sich besonders darüber  ergötzte, “was den Leuten alles so einfällt”. Die Leute gingen zu den Gräbern, sahen, wie liebevoll diese angelegt waren, betrachteten die Inschriften, die Fotos - und sie wurden zunehmend ruhiger. Als sie wieder gingen, ergab es sich, dass eben jene Dame als letzte zum Ausgang ging und es ergab sich ein Gespräch in dem ich ihr meine Gedanken vermittelte. - Die Dame hat sich bedankt, dass ich ihr dies so  nahegebracht habe und sie sagte: “ich kann es jetzt verstehen”. (M.R.)

Piptz, ein Spätzchen, es lebte 15 Jahre. Er lag, am Bein verkrüppelt, am Weg. Die Frau fand ihn, auf dem Weg zur Arbeit. Sie päppelte ihn hoch. Sie verfolgten gemeinsam, täglich 17.00 Uhr, die Familiensendung im Fernsehen. Wenn die Frau sich in der Küche vergaß - Piptz machte um 17.00 Uhr Geschrei. - Es war ja schließlich Fernsehzeit. (M.R.)

Rena, eine Schnauzer-Hündin. Die betagte Dame sagte mir am Telefon: “Jetzt war ich eben wieder bei meiner Rena (am Grab) und habe neue Kraft getankt.” (M.R.)

Pipi, der Wellensittich. Jeden Morgen stieg der Mann in die Dusche - und jedesmal kam Pipi geflogen, setzte sich auf die Schulter - und wollte den Duschspaß miterleben. (M.R.)

Frinko. Er ist gestorben , bevor es den Tierfriedhof gab. Die Dame wünschte sich eine Gedenkstätte für ihn. Sie macht wöchentlich einen weiten Weg, um die Blumen zu gießen und zu  erneuern. (M.R.)

Chiva, Schäferhündin. Monate nach der Beerdigung sagt die Frau: “Wenn ich zur Wohnung hochgehe, rieche ich noch immer meine Chiva.” (M.R.)

Bessy, Mischling. Seit über einem Jahr besucht die Frau täglich, oft zweimal die letzte Ruhestätte, bringt neue Blumen, versorgt auch andere Gräber mit Wasser. Der Waldi der Tochter  ist jetzt Teil Ihrer Fürsorge und Waldi genießt es, auf dem Gelände nach Mäusen zu graben. (M.R.)

Dusty, der Zwergpudel, war Lebensinhalt der alleinstehenden Dame. Sie verbrachten die Nachmittage auf dem Balkon. Jetzt besucht sie seine Ruhestätte, fast täglich, mit Mühe, fünf Stunden dauert die Bahn-/Busfahrt. “Was soll ich allein auf dem Balkon den Autos zuschauen. Hier kann ich mich mit meinem Dusty unterhalten”, und bringt auch Pflanzen für die Nachbargräber. (M.R.)

Einstein und Marie Curie, Meerschweinchen von der edleren Art - Peruanisches Seidentier. Einstein stirbt, Marie Curie folgt ihm 4 Wochen später. Liebe und Sehnsucht bis in den Tod.  (M.R.)

Nana, europäische Kätzin, weiß/grau. `Chefin im Haus´, selbstbewußt. Sie mußte bei allen Arbeiten dabei sein, jede Handbewegung verfolgen, jeden Brief inspizieren. Am Tag ihrer  `Niederkunft´ tigert sie aufgeregt, bis ich nach Hause komme. Sie führt mich zu dem vorbereiteten Lager. Sie bringt ihre 4 Kinder zur Welt. “Sie schlief jede Nacht in meiner Kniebeuge, oft erst spät nach  ihren nächtlichen Streifzügen. In ihrem 15-jährigen Leben war sie zwei Tage krank. Am dritten Tag starb sie in meinen Armen. Ich schlafe seitdem auf der Couch.” (M.R.)

Andra, die Münsterländerin. Sie war auf allen Bergtouren dabei. Ständig wird das Grab besucht, auch jetzt mit der Nachfolgerin Betty, die mit Asco, dem Hund eines anderen  Friedhofbesuchers, um die Wette läuft. (M.R.)

Und Asco ist wiederum Nachfolger von Jerry, der “gutmütig und anschmiegsam war, friedlich zu allen.” ”Eine Seele von einem Dackel”. (M.R.)

Zacko, der Hase, der 21 Jahre alt wurde. Die 24-jährige junge Frau bringt ihr -sozusagen- “Geschwisterchen” zur letzten Ruhestätte. “Deine Familie” steht auf der Gedenktafel. (M.R.)

Und da ruht der Kater, der den Suizid des Frauchens verhinderte. Seit 2 Jahren streichelt sie die Blumen auf seinem Grab. (M.R.)

Susi, zierlich mit weißer `Brosche´. “Sie schnurrte, wenn man sie nur anschaute. Sie verteidigte den Nachwuchs der Schwester gegen zwei plötzlich auftretende Dalmatiner! Als sich diese entfernten, sank sie erschöpft zu Boden. - Nach 17 glücklichen Jahren schlief sie in meinen Armen ein.” (M.R.)

Tröstende Worte - ein Versuch:

Unsere -nun achtjährige- Erfahrung zeigt, dass nach dem erlittenen Verlust, es für die Betroffenen sehr hilfreich ist, einen Platz, einen Ort zu haben, den man besuchen, zu dem man zurückkehren kann, Zwiesprache hält, die Blumen wässert oder erneuert, weiterhin fürsorglich tätig sein kann. Man kann dankbar in Erinnerungen verweilen und man begegnet anderen  Menschen, die gleichermaßen betroffen sind, und auch das hilft in der Trauerbewältigung.

Den individuellen Schmerz kann einem kein anderer abnehmen, doch er wird erträglicher, wenn ich sehe, dass auch andere leiden. Und am Ende werden wir uns gegenseitig trösten.

Wir haben, über Jahre, alles Glück erlebt mit diesen Lebewesen, haben uns in seine Wesensart eingebunden. Wir haben geliebt und zutrauliche Liebe erhalten und sind unendlich dankbar dafür. Wir wissen, dass alles Leben endlich ist. - Doch es tut weh.

Ich selbst habe meine Nana und meine Susi verloren und wenn ich eine Grube aushebe, dann weiß ich, welches Leid ich hier mittrage.

Auch für mich sind die täglichen Besucher hilfreich. Und jene merken, dass ich mit ihnen fühle. (M.R.)